Die Barmherzigen Brüder haben es sich zur Aufgabe gemacht, kranke,
behinderte, alte und Not leidende Menschen zu betreuen. Gleichzeitig
wollen sie in unserer konsumorientierten Welt für alle Hilfesuchenden
verfügbar sein und die Solidarität mit den Notleidenden glaubhaft leben.
Im Mittelpunkt des Wirkens steht die Würde des Menschen, die ihm auch
in Krankheit und Not erhalten bleiben muss, weil jeder Mensch ein
Geschöpf und Ebenbild Gottes ist. Ohne Ansehen der Herkunft, Nation,
Religion, des Geschlechtes und des sozialen Standes wollen die
Barmherzigen Brüder auf der Basis der christlichen Nächstenliebe allen
Menschen Hilfe gewähren und den barmherzigen Christus sichtbar werden
lassen. – In einer Zeit, in der Genuss, Erfolg, Jugend und Gesundheit
zum Kult erhoben wurden, ist es umso wichtiger sich dieser Aufgabe mit
christlicher Demut und Professionalität zu widmen.
Geschichte der Hospitalität
Das Wort Hospitalität leitet sich vom lateinischen „hospitalitas“ (Gastlichkeit, Gastfreundschaft, gastliches Haus) ab. In der
Antike
zählte die Gastfreundschaft zu den vornehmsten Tugenden. Ungeachtet der
Person wurde jedem Fremden das Haus geöffnet, denn er stand unter dem
Schutz der Götter. Das gemeinsame Mahl war Zeichen der Verbundenheit
und der Verpflichtung zum Schutz des Fremden.
Im
Alten Testament ist Hospitalität Ausdruck der Stellung Israels zu
den Fremden Im Spätjudentum zählte sie zu den hoch geschätzten „guten
Werken“, zu denen das Kleiden von Nackten und Sättigen von Hungernden
gehörte.
Das Heilswerk Jesu wird im
Neuen Testament häufig mit dem Bild der Einladung
beschrieben. Jesus, der unter den Menschen Weilende, lädt als Gastgeber
an seinen Tisch ein, Er ist Gast auf Erden und Gastherr, zugleich aber
auch Gastgabe. In der
urchristlichen Gemeinde ist die Hospitalität
Ausdruck der christlichen Brüderlichkeit.
Die Hospitalität beruht auf der dreifachen Wurzel des Christentums
-
der Verkündigung des Evangeliums
- der Feier des Glaubens im Gottesdienst
- der Praxis des Glaubens im täglichen Dienst
und zielt auf drei Arten der Hilfeleistung ab
-
die Grundbedürfnisse des Menschen erfüllen (Nahrung, Kleidung usw.)
-
psychosoziale und existentielle Mängel lindern (Krankheit usw.)
-
gesellschaftliche Mängel lindern (Arbeitslosigkeit, Verfolgtheit usw.)
Hospitalität im Sinne der Barmherzigen Brüder bedeutet, den
Sendungsauftrag des Ordens, sein Apostolat an Kranken, Alten,
Behinderten und Benachteiligten in der Gesellschaft auszuüben. Die
Hospitalität der Barmherzigen Brüder wird noch immer vorzugsweise in
Krankenhäusern (Spitälern) verwirklicht.
Der Mensch soll heil werden
- in der Beziehung zu sich selbst: psychisch und physisch
- in der Beziehung zu anderen: sozial und wirtschaftlich
- in der Beziehung zu Gott: religiös, gläubig und hoffnungsvoll.
Neue Formen der Hospitalität
Die Barmherzigen Brüder
stellen sich auch den Herausforderungen, welche die so genannte "Neue Hospitalität" mit sich
bringt. In ihren Werken finden auch Menschen Betreuung, die auf Grund von
besonderen Erkrankungen oder durch ihre Art zu leben aus der Mitte verdrängt
werden. In ihren Einrichtungen wollen sie ohne Schuldzuweisungen Verständnis
für diese Menschen zeigen. Im Sinne der „Option für die Armen“ gilt die
Aufmerksamkeit im Bereich der neuen Hospitalität beispielsweise Palliativstationen
und Hospizen, der Betreuung von alten Menschen, der Sorge um behinderte und
chronisch kranke Menschen, der Arbeit mit Drogenabhängigen, der medizinischen
Betreuung Strafgefangener, Armenküchen oder Selbsthilfegruppen.
Vergleiche auch den Artikel "Die Hospitalität – unser 4. Gelübde"